1985

Erfolgreiche Abschlußprüfung des Physikstudiums an der Universität Freiburg im Breisgau. Das Angebot des Gründers zur Mitarbeit in einem freiburger Softwarehaus war bestechend und alternativlos, denn das Unternehmen belieferte weltweit und hatte in Deutschland für Textverarbeitung auf Großrechnern doppelt so viele Installationen als die IBM.

Das Produkt M/TEXT hatte eine zentrale Textdatenbank, die Texte konnten mit intelligenten Textbausteinen zusammengestellt werden und waren so für die Erzeugung revisionssicherer Texte für jede Schriftgutart eingesetzt werden. Neben Versicherungen, Banken nutzten Verlage, Genossenschaften und große Hersteller für Investitionsgüter sowie Energieunternehmen dieses System.

Was fehlte, war eine Ausgabe von Bildern und Grafiken aller Art sowie eine leicht zu handhabende Formulargestaltung. Meine Aufgabe war, ein System (M/GRAF) als Produkt zu schaffen, das verschiedene Randbedingungen der Druckausgaben aus Großrechnern berücksichtigend, erhebliche Erweiterungen brachte.

Kurz vorher war die Geburt des IBM PC, was ein mögliches Ende der Großrechner zu bedeuten schien. Zudem gab es nicht nur die IBM mit mehreren Betriebssystemen, auch Nixdorf und Siemens waren am Markt vertreten. Auch die UNIX-Welt schien ein ideales Zielgebiet unserer Produkte.

Um die Programme nicht in allen Zielprogrammiersprachen zu schreiben, wurde eine neue Programmiersprache erfunden, die auch alle Performanceanforderungen erfüllen konnte. Diese Sprache war ein "Edelassembler", mit der auch als Sprachausgabe "C" Systeme wie Tandem Guardian oder alle Unices erreicht werden konnte.

In dieser Sprache wurden nun die Grafikmodule für Vektorgrafiken (aus HPGL) und Rastergrafiken (TIFF und andere) sowie ein Formulargenerator erzeugt und in M/TEXT als Erweiterung eingebaut. Die große Herausforderung war, es gab keine Grafikmodule zu kaufen, die auch nur annähernd Benötigtes und das besonders schnell erzeugen konnte.

Später wurde dieses System auch zur medizinischen Dokumentation benutzt, da die Grafikausgabe auch beispielsweise Röntgenbilder bearbeiten konnte.

Das System erweiterte sich rasch, denn man konnte mit Erweiterungen auch Faxe aus dem Großrechner absenden und empfangen.

Auch das System M/SERVER, eines der ersten EAI-Systeme mit Verbindungsmöglichkeiten zwischen Siemens Großrechnern, IBM Großrechnern, UNICES, AIX, OS/2, PC und mehr erlaubten Firmen, auf die Produkte des Hauses zuzugreifen.

Mit einigen Erweiterungen in Richtung PostScript und AFP wurde aus dem kleinen Grafiksystem ein komplettes Ausgabesystem, das viele Firmen auch heute noch im Einsatz hatten.

Schon früh konnte ich die Entwicklungsmannschaft erweitern, eines der Merkmale der Absichten des Gründers in seiner möglichen Nachfolgeregelung. Daher habe ich in diesem Umfeld ind der Entwicklung meiner Produkte einen hervorragenden Mentor.

Als sich die Windows-Welt mehr und mehr durchsetzte übernahm ich als weitere Aufgabe, die Verantwortung in der Portierung aller wesentlichen Produkte dieses Unternehmens in die Windows-Welt und schaffte verschiedene strategische Allianzen wie zum Beispiel mit der StarDivision und der Integration deren Produkts M/Starwriter in die Welt der integrierten IT. So zeigten wir auf der CeBIT einen M/Starwriter mit Datenaustausch zu Datenbanken der Großrechner.

Besonders beachtenswert war der Auftrag der Isar-Amper-Werke, dem ehemaligen Energielieferanten der Stadt München, auf zwei verschiedenen Rechner- und Netzarchitekturen die Angebote von Siemens mit Windows und Novell-Netzen am IBM-Host und von IBM unter Nutzung der Systeme IBM Host, AIX und OS/2, beide mit unserem kompletten Softwareangebot versehen, integrierte Verarbeitung geplant für alle Aussenstellen in Bayern vorzuführen. Es war gewissermaßen die erste Installation des ersten kompletten EAI-Systems in dieser Komplexität. Seinerzeit für M/Server's Kommunikationselemente (Transferagents) verantwortlich, leitete ich dieses Projekt.

Unstimmigkeiten in der Ausrichtung der künftigen Produktbasis, insbesondere unter Make-or-Buy Gesichtspunkten, bewirkten die Trennung unserer Wege und führten mich in die Selbständigkeit mit einer unvergleichbaren Ausbildungsgrundlage.